Mutter aller Großkinos ist dabei der 1913 von Oskar Kaufmann gestaltete Cines-Palast am Nollendorfplatz. Die Fassade bot Platz für beleuchtete Reklame, im Sommer ließ sich die Decke im Saal öffnen. Das Innere: ein expressionistischer Architektentraum, ein Fest der Farben und schwingenden Formen. „Die Grundstimmung des leicht bewegten, weich pathetischen Raums ist ein Elfenbeingelb, klingend, saugend. Dahinein strömt das Violett des Gefühls, das Violett der Vorhänge an der koketten Logenreihe des Ranggeschosses; die Buntheit einiger Schnitzstreifen geht wie ein Geflüster durch die Harmonie des weißvioletten Zweiklangs“, schwärmen Zeitgenossen.
Kinos, ähnlich wie Bahnhöfe, sind die Kathedralen der Moderne, die Schlösser der Neuzeit.
Die meisten dieser Kinopaläste entstehen im neuen Zentrum West, zwischen Kurfürstendamm und Nollendorfplatz: der Mozartsaal (das spätere Metropol), das Marmorhaus, der Gloria-Palast im Romanischen Haus, das Hans Poelzig zugeschriebene Capitol und das heute der Schaubühne als Domizil dienende Universum. Das größte ist der Ufa-Palast am Zoo mit 2165 Sitzplätzen, einem 75 Mann starken Filmorchester, Hausballett und einem Programm, das nicht nur Film bietet, sondern auch Musik, Tanz, Varieté. Joseph Roth schreibt 1925 in der „Frankfurter Zeitung“: „Längst hatte ich schon die Gewohnheit abgelegt, in jeder Berliner Moschee ein mohammedanisches Gotteshaus zu sehen. Ich wusste, dass hierzulande die Moscheen Kinos sind und der Orient ein Film.“






